{"id":7,"date":"2006-10-13T19:10:33","date_gmt":"2006-10-13T17:10:33","guid":{"rendered":"http:\/\/diedrich-online.de\/blog\/2006\/10\/13\/interview-gitarre-aktuell-ii06\/"},"modified":"2006-10-17T09:09:07","modified_gmt":"2006-10-17T07:09:07","slug":"interview-gitarre-aktuell-ii06","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diedrich-online.de\/blog\/2006\/10\/13\/interview-gitarre-aktuell-ii06\/","title":{"rendered":"Interview Gitarre aktuell II\/06"},"content":{"rendered":"<p><em>Im Gespr\u00e4ch<\/em><br \/>\n<strong>\u00bb&#8230;weil ich nicht m\u00f6chte,<br \/>\ndass die Gitarre ausgeblendet wird\u00ab<\/strong><\/p>\n<p><em>Michael Diedrich \u00fcber sein aktuelles Projekt \u201eKlassenmusik mit Gitarren\u201c<\/em><\/p>\n<p>Was den Streich- und Blasinstrumenten recht ist, soll nach Ansicht des Musikp\u00e4dagogen Michael Diedrich den Gitarren nur billig sein. Denn nach dem schon lange praktizierten Modell, Grundsch\u00fclern innerhalb ihres Klassenverbands als Gro\u00dfgruppe mittels Streich- oder Blasinstrumenten die T\u00fcr zur allgemeinen Musik zu \u00f6ffnen, ohne dass konkret ein Instrumentalunterricht stattfindet, hat es mit der Gitarre bisher nicht gegeben.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDaf\u00fcr gibt es jetzt Lehrwerke, die sich gleichwohl an die Lehrenden und Lernenden richten und Spielideen aus dem Elementarschulbereich methodisch -didaktisch b\u00fcndeln, um die Sch\u00fcler mit der Gitarre und \u00fcber den aktiven Umgang mit musikalischen Vorg\u00e4ngen an die Musik heranzuf\u00fchren. Ein Gespr\u00e4ch mit Michael Diedrich \u00fcber das Konzept \u00bbKlassen- musik mit Gitarren\u00ab<br \/>\n<em>Gitarre aktuell: Sie haben ein zweib\u00e4ndiges Lehrwerk f\u00fcr Sch\u00fcler und Lehrer mit dem Titel \u00bbKlasse(n) Musik\u00ab verfasst, das den Untertitel tr\u00e4gt \u201e Methodischdidaktische Ausf\u00fchrungen f\u00fcr den Klassenunterricht mit Gitarren. Im Lehrerband schreiben Sie in den Anmerkungen \u201eKlassenmusik ist Thema der Bildungspl\u00e4ne der Schulen. Was hei\u00dft \u201e&#8230; ist Thema&#8230;\u201c genau?<\/em><br \/>\nMichael Diedrich: Durch die Bildungshoheit der L\u00e4nder kann ich dies nur exemplarisch f\u00fcr Baden-W\u00fcrttemberg sagen, dass da in den Bildungspl\u00e4nen explizit das Klassenmusizieren, also das praktische Umsetzen mit Instrumenten, in diese Bildungspl\u00e4ne mit aufgenommen wurde. Hinzu kommt, dass Musik nicht mehr als eigenst\u00e4ndiges Fach, sondern in einem so genannten F\u00e4cherverbund besteht. Hintergrund ist, dass wir an den Schulen zu wenig gut ausgebildete Musiklehrer haben, und dem versucht man dadurch entgegen zu wirken, indem man einen F\u00e4cherverbund hat. Dann k\u00f6nnen unterschiedliche Lehrer das machen, und man kann von au\u00dfen Fachleute quasi anmieten, sprich: Musikschullehrer, die in die Grundschulen gehen und von den Musikschulen ausgeliehen sind, k\u00f6nnen Musikunterricht anbieten.<\/p>\n<p><em>Sch\u00fcler haben ja schon fr\u00fcher in der Klasse musiziert. Das aktuelle Schlagwort ist jetzt Klassen- musik bzw. Gro\u00dfgruppen unterricht. Was ist anders, worum geht es, und was ist die Idee, die dahinter steht?<\/em><br \/>\nDie Idee ist, dass nicht \u00fcber Musik gesprochen oder ausschlie\u00dflich Musik geh\u00f6rt werden soll, sondern praktisch umgesetzt wird. Aber nicht in Form eines Ensembles, das hie\u00dfe ja, dass Sch\u00fcler schon mit Vorkenntnissen kommen -\u201a sondern von Grund auf, \u00e4hnlich wie es in der vokalen Arbeit bis heute gemacht wird, indem die Sch\u00fcler praktisch zum Musizieren gebracht werden.<br \/>\nDas gibt es hei den Bl\u00e4sern und bei den Streicherklassen ausgehend von der amerikanischen Tradition schon seit vielen Jahren. Bei mir kam die Idee praktisch hier in der Arbeit, dass \u201aviele Kinder, die ich sp\u00e4ter angesprochen habe, sagten, ja, wir haben schon die Streichinstrumente \u00fcber das Streichermusizieren kennen gelernt, oder die Bl\u00e4ser. Und ich hatte das Gef\u00fchl, dass f\u00fcr die Gitarren der Nachwuchs ein bisschen auf der Strecke bleibt.<\/p>\n<p><em>Es geht also um das instrumentale Musizieren&#8230; <\/em><br \/>\nDas Klassenmusizieren &#8211; zumindest nach diesem Konzept &#8211; mit Gitarren.<br \/>\n<em>Klassenmusizieren ist ja ein .sehr weit gefasster Begriff der zun\u00e4chst nur die Zielgruppe definiert. Es geht um das Instrument und weniger um den vokalen Bereich? <\/em><br \/>\nSowohl als auch. Dadurch dass ich das Melodiespiel zun\u00e4chst in diesem Ansatz ausblende, Melodien aber da sein sollen, mache ich das halt \u00fcber den Gesang.<\/p>\n<p><em>Was ist gegen\u00fcber fr\u00fcher anders bzw. was ist wirklich neu daran? <\/em>Neu&#8230; Vielleicht dass ich nicht in erster Linie das Klassen- musizieren als Instrumentalunterricht sehe. Ich bin zwar Instrumentallehrer im Grunde meines Herzens, aber ich bin gleichzeitig auch Elementarlehrer. Was f\u00fcr mich neu daran war, ist, die ganzen Spielideen, die aus dem Elementarbereich kommen, auf die Gitarre zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<p><em>Kann man nicht davon ausgehen, dass ein Musiklehrer diese Dinge in seiner Ausbildung anhand von Seminaren etc. in P\u00e4dagogik, Didaktik oder Methodik gelernt hat?<\/em><br \/>\nDer Regelschullehrer. der wird einen Gro\u00dfteil davon wissen.<\/p>\n<p><em>Welches ist die Zielgruppe, die Sie im Auge haben, Gitarrenlehrer\u2026?<\/em><br \/>\nDen Gitarrenlehrern, denen dieser Bereich der gro\u00dfen Gruppen bis hin zu Halbklassen nicht ganz vertraut ist, ganz einfach viele Spielideen an die Hand zu geben, die funktionieren.<\/p>\n<p><em>Ein Gitarrenlehrer lernt das in seiner Ausbildung nicht?<\/em><br \/>\nIn der Regel nicht, Ich bin da ein bisschen \u201avorsichtig, weil es nat\u00fcrlich schon Musikhochschulen gibt, die sehr praxisorientiert und sehr nah an dem Musikschulalltag ausbilden. Und denen will ich nat\u00fcrlich nicht Unrecht tun. Die Regel ist das nicht. Ich erlebe das in meiner Praxis, wenn wir neue Kollegen &#8211; egal in welchem Fach &#8211; einstellen, dass die richtig Angstschwei\u00dfausbr\u00fcche bekommen. wenn wir hier eine 4er-Gruppe haben, ganz zu schweigen von einer halben Klasse mit 15 Kindern. Und dem Regelschullehrer m\u00f6chte ich durch die Methode etwas an die Hand geben. damit der Sch\u00fcler auch nach ein oder zwei Jahren, wenn er diesen Klassenunterricht besucht und m\u00f6glicherweise die Liebe zu dem Instrument Gitarre entdeckt hat und zu einem Instrumentalp\u00e4dagogen kommt. nicht h\u00f6ren muss, so, was du bisher gemacht hast, musst du erst einmal grunds\u00e4tzlich vergessen.<\/p>\n<p>I<em>hr Konzept ist gedacht f\u00fcr den Musikunterricht an allgemeinbildenden Schulen mit normaler Klassenst\u00e4rke von etwa 20 bis 30 Sch\u00fclern? <\/em><br \/>\nDas ist die Zielgruppe, die aber geteilt wird. Praktisch &#8211; und so setzen wir das hier um &#8211; sollen etwa 10 bis 15 Kinder in der halben Klasse sein.<\/p>\n<p><em>Es ist weniger an Musikschulen gedacht, weil dort Gruppen mit weniger Sch\u00fclern zusammengestellt werden?<\/em><br \/>\nWir haben auch gr\u00f6\u00dfere Gruppen, da versuchen wir das jetzt im Moment ebenfalls umzusetzen; \u201aviele dieser Ideen. Die Regel ist, dass wir Zweier- oder Dreiergruppen haben, die mit der gesamten klassischen Methodik, denke ich. l\u00e4ngst gut abgedeckt sind. Wenn es dar\u00fcber hinaus gro\u00dfe Gruppen sind &#8211; gro\u00dfe Gruppen hei\u00dft zwischen \u201avier und acht Kindern -,wird es meistens schon ein bisschen heikel. Mein erster Schritt war, das gesamte Material in diesem Bereich \u2018vier bis acht Kindern zu erproben. Und dann war nat\u00fcrlich der n\u00e4chste Schritt zu machen mit 8 bis 15 Kindern. Und da ist jetzt auch die Zielgruppe zu sehen. In der Regel das dritte und vierte Grundschuljahr.<\/p>\n<p><em>Machen wir es einmal ganz praktisch. Wie muss sich der Leser ihr Konzept vorstellen, k\u00f6nnen wir das mal durchspielen. Also da ist jetzt eine Schule und darin ist eine Klasse&#8230;<\/em><br \/>\nEs ist eine Grundschule, dritte Klasse&#8230;<\/p>\n<p><em>und die besteht aus, sagen wir, 25 Sch\u00fclern&#8230; Wie w\u00fcrde man dort traditionell den Musikunterricht gestalten? Gesangsunterricht? <\/em><br \/>\nJa, wenn es denn Gesangsunterricht w\u00e4re, w\u00e4re es sch\u00f6n. In der Regel ist es so, dass die Lehrerin ein Playback mitbringt und dann mehr oder weniger geschult dazu gesummt, gebrummt oder gesungen wird.<\/p>\n<p><em>Sie sagen schon automatisch, dass es eine Lehrerin ist&#8230;<\/em><br \/>\nIn der Regel sind an Grundschulen LehrerINNEN&#8230; Vielleicht wird noch das kleine Schlagwerk dazu genommen.<\/p>\n<p><em>Die 25 Sch\u00fcler haben zun\u00e4chst einmal von Musik nur wenig bis keine Ahnung, es sei denn, sie h\u00e4tten vom Elternhaus etwas mitgebracht.<\/em><br \/>\nDadurch, dass wir die normale Bev\u00f6lkerungsverteilung haben. gibt es keinen, der wie im Instrumentalunterricht sagt, was er lernen m\u00f6chte, sondern es gibt eine Gitarre &#8211; entweder von den Eltern gekauft oder vom F\u00f6rdenverein als Pool angeschafft&#8230; das Instrument wird dann ausgeliehen -\u201a die Klasse wird geteilt, und die Kinder bekommen mit diesem Instrument eine erste Unterweisung, ja. oder einen ersten Kontakt, ganz praktisch mit Musik. Es gibt einen Vertrag. und das Angebot l\u00e4uft ein Jahr.<\/p>\n<p><em>Und das gesamte Konzept betrifft nur die Gitarre ohne Einbindung anderer Instrumente oder Gesang. Bleiben wir bei der Praxis. Wie l\u00e4uft das bei Ihnen?<\/em><br \/>\nGanz praktisch ist es hier an zwei Grundschulen jetzt so, dass die Schulleitung gesagt hat, wir wollen das Fach Musik mit der Gitarre machen. Da geht dann ein Lehrer von uns f\u00fcr jeweils zwei Stunden hin und unterrichtet die Kinder, ein Jahr lang mit diesem Konzept.<\/p>\n<p><em>Gro\u00dfgruppenunterricht an Musikschulen wird ja seither mit Skepsis betrachtet.<\/em><br \/>\nDa hat sich, denke ich, zumindest in der Diskussion oder in meiner Vorstellung etwas ver\u00e4ndert. Mein Ziel ist ja nicht, dass alle Teilnehmer zu Gitarristen gemacht werden. Sondern die Idee ist, sie sollen musikalisch aktiv werden, hier jetzt zuf\u00e4llig mit der Gitarre, weil ich nicht m\u00f6chte, dass die aus- geblendet wird. Und nach einem Jahr k\u00f6nnen die Kinder, die sagen, Mensch, das ist doch was, weitermachen. Aber dann nicht mehr in der Gro\u00dfgruppe bzw. Halbklasse. Ich glaube nicht, dass es ein grunds\u00e4tzlicher Ansatz vorn Instrumentalunterricht ist, den man \u00fcber drei, vier oder f\u00fcnf Jahre so laufen lassen sollte. Also da bin ich schon traditioneller Jnstrumentalp\u00e4dagoge, der meint, dass jeder Sch\u00fcler zu einem bestimmten Entwicklungszeitpunkt die Chance haben muss der individuellen Zuwendung und Fehlerkorrektur.<\/p>\n<p><em>Wenn Sie mit Ihrer Methode und Idee den Unterricht \u00fcbernehmen, machen Sie aus den Sch\u00fclern nicht \u201e kleine Gitarristen\u2018 ? <\/em><br \/>\nDas ist nicht der Fall. Dadurch dass jedes Instrument mit Arbeit verbunden ist, teilt sich das ganz schnell.<\/p>\n<p><em>Sie bieten zun\u00e4chst also allgemeine musikalische M\u00f6glichkeiten au\/der Gitarre an, die ja zweifellos sehr vielf\u00e4ltig ist&#8230; <\/em><br \/>\nJa&#8230;<\/p>\n<p><em>somit ben\u00f6tigt jeder Sch\u00fcler zu Beginn eine Gitarre&#8230;. <\/em><br \/>\nDas ist richtig.<\/p>\n<p><em>\u2026bei der Sie sich aber nicht in erster Linie auf eine instrumentale Unterweisung \u2014 wie das Lernen von Griffen etc. &#8211; beschr\u00e4nken, sondern dar\u00fcber hinaus allgemein musikalische Kenntnisse vermitteln wollen, zum Beispiel Marschieren durch den Raum, perkussive Effekte auf dem Instrument usw. Zielt Ihre Methode darauf ab? <\/em><br \/>\nGenau. Also mit sehr starkem Schwerpunkt aus der Rhythmik kommend, das hei\u00dft, dass alle Ph\u00e4nomene \u00fcber die Bewegung zun\u00e4chst ausgef\u00fchrt und erfahrbar gemacht werden, und dann gehen die Kinder wieder an die Gitarre und setzen das um. In der Regel in so kleinen Lernschritten, dass es bei der erw\u00e4hnten Normalverteilung die unterschiedlichen Interessenslagen auch bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>In diesem Unterricht kommt keine instrumentale Mischung vor, zum Beispiel das Hinzunehmen von Fl\u00f6ten oder Schlaginstrumenten&#8230;? <\/em><br \/>\nIn der Regel nicht. Es ist so, dass bei Schulauff\u00fchrungen nat\u00fcrlich schon gemischt wird. Aber ins Klassenverband im Musikunterricht selber l\u00e4uft das homogen.<\/p>\n<p><em>Dann ist die Klassenmusik mit Gitarren, so hei\u00dft das Thema bei Ihnen ja auch explizit, gegen\u00fcber Gruppenunterricht mit Gitarren eigentlich nur der Unterschied, dass es mehr Sch\u00fcler .sind. <\/em><br \/>\nDass es mehr Sch\u00fcler sind, dass die Lernschritte viel kleiner sind und eine gr\u00f6\u00dfere Zielgruppe oder Adressatenkreis angesprochen wird. Zun\u00e4chst einmal.<\/p>\n<p>S<em>ie geben in ihrem Lehrwerk Empfehlungen f\u00fcr die so genannte Grundausstattung, die ein Sch\u00fcler haben sollte. Wie hoch sch\u00e4tzen Sie die Kosten f\u00fcr diese Grundausstattung pro Sch\u00fcler, wenn er in etwa das Material erh\u00e4lt, das Sie in der Hefteinleitung auff\u00fchren, z.B. das Instrument mit Zubeh\u00f6r, Notenst\u00e4nder, Fu\u00dfbank, ferner Stimmger\u00e4t,?  Kapodaster und anderes? <\/em><br \/>\nBei uns gehen im Moment die Diskussionen hoch her, ob wir chinesische oder taiwanesische Gitarren nehmen, da l\u00e4ge dann ein komplettes Einstiegsangebot zwischen 80 und 90 Euro inklusive Kapodaster, der Schule, einer klappbaren St\u00fctze und dieser Gitarre, oder ob wir eine nehmen &#8211; ich wei\u00df auch nicht &#8211; aus der einheimischen Produktion, wo ich nicht so ein schlechtes Gewissen h\u00e4tte, die liegen dann bei etwa l80 bis 200 Euro. Das komplette Set.<\/p>\n<p>D<em>as entspricht eher dem, was ein Gitarrenbauer &#8211; nat\u00fcrlich nicht zuletzt auch aus eigenem Interesse &#8211; sagen w\u00fcrde, er k\u00f6nnte einem Sch\u00fcler niemals zu einem Instrument aus dem Supermarkt raten.<\/em><br \/>\nDas sehe ich ganz genau so.<\/p>\n<p><em>Wenn Sie sich andererseits f\u00fcr gute Sch\u00fclergitarren &#8211; oder zumindest im mittleren Qualit\u00e4tsbereich liegende &#8211; entscheiden, dann w\u00fcrden die Kosten f\u00fcr alles vermutlich zwischen 300 und500 Euro liegen, was doch pro Sch\u00fcler sehr viel Geld ist! <\/em><br \/>\nDas war mein Ansatz auch in den ersten Gruppen. Ich muss aber zugeben, dass ich mich da von dem H\u00e4ndler, mit dem wir hier zusammenarbeiten, habe eines Besseren belehren lassen. Die Instrumente leiden so stark, dadurch dass ich eben nicht nur den interessierten Gitarristen habe, sondern auch ganz \u201enormale\u201c Kinder, die die Gitarre an irgendeiner Ecke anbollern, und dann ist eine Macke drin. Da haben wir gesagt, es ist nicht praktikabel, es findet, wie sagt man, eine Wertminderung statt. Hinzu kommt, dass die Kinder in der dritten Klasse eh noch nicht ihr Endinstrument haben, und wenn es dann in den Gruppen- unterricht geht, f\u00fcr die Interessierteren doch zu einem Wechsel kommen muss. Wir haben es so gemacht, dass die Instrumente im ersten Schritt von der Musikschule eingekauft werden, im n\u00e4chsten Schritt waren es dann die F\u00f6rdervereine, die, sagen wir mal, 4000, 5000 Euro eingesetzt und eine Klassenausstattung eingekauft haben, die dann vermietet wird. Nach einem Jahr kommen die Instrumente wieder zur\u00fcck, werden dann zum Teil notd\u00fcrftig oder auch ganz ordentlich repariert und kommen dann wieder in den Kreislauf.<\/p>\n<p><em>Regional ist Ihr Modell offensichtlich schon erprobt. Nun ist Ihr Lehrwerk \u00fcberregional gedacht. W\u00fcrden Sie sagen, dass auch andere Schulen bereit w\u00e4ren, wenn sie einen solchen Unterricht einrichten wollten, die Kosten zu \u00fcbernehmen bzw. sich daran zu beteiligen. Heutzutage wird doch bei den Lehrmitteln an allen Ecken und Kanten gespart, gek\u00fcrzt und gestrichen?? <\/em>?  Das ist richtig. Aber dadurch dass es eine praktische Umsetzung ist, womit Kinder etwas tun k\u00f6nnen, damit sie demn\u00e4chst die Schulauff\u00fchrung attraktiver gestalten k\u00f6nnen, sind die Schulen schon bereit, daf\u00fcr auch Geld einzusetzen. Und \u00fcber so ein Modell, dass es verliehen wird, flie\u00dft auch immer wieder etwas Geld zur\u00fcck, das Geld ist also nicht weg.<\/p>\n<p><em>Kommen wir noch einmal zum Thema zur\u00fcck: Ist Ihr Lehrwerk als Leitfaden f\u00fcr Lehrer zu verstehen und als motivierende Materialsammlung f\u00fcr die Sch\u00fcler, oder w\u00e4re das zu einfach gesagt? <\/em><br \/>\nDas w\u00e4re zu einfach gesagt. So war die Idee urspr\u00fcnglich. Durch die vielen Diskussionen, die praktische Umsetzung, dann Diskussionen mit dem Lektorat, wurde halt zunehmend, ja, ein deutliches Konzept daraus, das den Rahmen einer reinen Materialsammlung sprengt. Der Lehrer bekommt eine sehr gro\u00dfe Ideenvielfalt innerhalb dieses roten Fadens an die Hand, weil es im Klassenunterricht n\u00f6tig ist, sehr viel Repertoire an Spiel- ideen zu haben, ohne jedoch den roten Faden zu verlieren. Und f\u00fcr die Sch\u00fcler ist der rote Faden deutlich enger, seil wir thematisch aufeinander aufbauen und &#8211; flankiert durch CD und Hausaufgaben &#8211; eine sehr enge und verzahnte Arbeit an der Thematik auszumachen ist.<\/p>\n<p><em>in kleinen Schritten und entsprechenden Unterrichtseinheiten bzw. -abschnitten. <\/em><br \/>\nRichtig! Wir haben die Normalverteilung und nicht die interessierten Kinder, die aber nach diesem einen Jahr motiviert sein k\u00f6nnten, weiterzumachen. Und f\u00fcr die anderen Kinder, die dann auf h\u00f6ren, soll es kein Abbrechen sein. Sie haben sich ein Jahr damit besch\u00e4ftigt und festgestellt, das Jahr war gut, aber weiter will ich mich nicht auf den Weg machen.<\/p>\n<p><em>Sie haben Ihre Methode ja selbst erprobt. Aber ist sie auch anderweitig eingesetzt worden und mit welchem Ergebnis? Welches Feedback haben Sie bisher bekommen? <\/em><br \/>\nVor f\u00fcnf Jahren habe ich damit begonnen, Spielideen zu entwickeln,?  weil bei uns Anfragen waren f\u00fcr den Unterricht von Gro\u00dfgruppen. Da haben Kollegen gefragt, ob ich eine Idee h\u00e4tte, weil wir das bei uns immer mit mehreren Kollegen machen. Ich habe mich halt hingesetzt und etwas geschrieben, ausprobiert und sehr viel Feedback bekommen zu Dingen, die nicht funktionieren, aber die auch funktionieren. Ja, und dann ist das im Grunde so gewachsen. Von der Gro\u00dfgruppe waren es dann die ersten Klassen, die ich selbst unterrichtet habe, dann erste Kollegen, weil es immer mehr Grundschulen gab, die es interessierte. Wir haben es jetzt auch an einigen Gymnasien probiert&#8230;<\/p>\n<p><em>Gilt das auch \u00fcberregional? <\/em><br \/>\nNein, hier. Mosbach ist eine gro\u00dfe Kreisstadt und 12 umliegende Gemeinden. Also ein sehr gro\u00dfer Kreis, der von verschiedenen Kollegen ausprobiert worden ist, und bisher &#8211; ich meine jetzt nicht, weil es meine Geschichte ist &#8211; sind absolut positive R\u00fcckmeldungen gekommen, dass es funktioniert. Weil die Kollegen am Anfang ganz skeptisch waren, ob es funktioniert.<\/p>\n<p><em>Wird die Methode auch angenomnmen von Lehrern au\u00dferhalb Ihres Kreises? <\/em><br \/>\nAlso, im Moment steht das Telefon nicht still, weil ich f\u00fcr Fortbildungen angefragt werde, in Nordrhein Westfalen, in Bremen und hier in Baden-W\u00fcrttemberg. Es wird sowohl nach Wochenendfortbildungen gefragt, wo es ganz praktisch umgesetzt werden soll, als auch nach Vortr\u00e4gen. Die Koordinatoren, die das machen, fragen mich jetzt schon, ob ich nicht n\u00e4chstes und \u00fcbern\u00e4chstes Jahr auch was mache, weil die Nachfrage derartig gro\u00df ist. Das gleiche ist zu verzeichnen auf der Frankfurter Musikmesse, was der Verlag an R\u00fcckmeldung gegeben hat. Nun gut, es gibt halt bis jetzt ganz wenig Konzepte auf dem Markt, die auch in der Praxis erprobt sind. Von daher ist das Interesse tats\u00e4chlich riesengro\u00df.<\/p>\n<p><em>Auf diesem Gebiet ist offensichtlich in Zukunft noch etwas zu erwarten.<\/em> Mit Sicherheit!<\/p>\n<p><em>So, wir sind am Ende. Es ist etwas lang geraten&#8230; fast zweih\u00e4ndig&#8230; <\/em><br \/>\nIch sitze momentan an verschiedenen Vortr\u00e4gen, und es ist wirklich ein Problem, es kurz zu machen, aber dennoch plastisch r\u00fcberzubringen, weil die Ideen, die aus der elementaren Musik kommen&#8230;, ja, das muss erst noch ein bisschen in die K\u00f6pfe, denke ich.<br \/>\nMichael Diedrich, geb. 1957 in Hamm (Westfalen). Fr\u00fcher Kontakt zur Jugendarbeit und zur Musik; Gitarre zun\u00e4chst autodidaktisch, aktiv in verschiedenen Zupforchestern. Erster Gitarrenunterricht und Mitwirkung in verschiedenen Pop bzw. Folk-Gruppen und klassischen Formationen (Gitarrentrio und -quartett).<br \/>\nNach beruflichen Aus- bzw. Fortbildungen in verschiedenen Bereichen absolviertes Lehramtsstudium Musik, Erziehungswissenschaften und Sonderp\u00e4dagogik an der Ruhruniversit\u00e4t Dortmund sowie Zweitstudium Diplomp\u00e4dagogik\/Musik in Heidelberg. Ausbildung zum Gitarrenlehrer und Zusatzausbildung Rhythmik in Trossingen. Mitarbeit an dem Modellversuch \u201eInstrumentalspiel mit Behinderten und von Behinderung Bedrohten\u201c, anschlie\u00dfend Gitarrenlehrer an der Musikschule Bochum.<br \/>\nHeute stellvertretender Schulleiter, Fachbereichsleiter Elementare Musik und Gitarrenlehrer an der Musikschule Mosbach, au\u00dferdem Leitung des Gitarrenorchesters der Musikschule.<br \/>\nT\u00e4tigkeiten als Dozent bei Fortbildungen von Lehrer\/innen und Erzieher\/innen zu den Themen \u201eKinderlieder singen\u201c und \u201eAkkordbegleitung mit der Gitarre\u201c.<br \/>\nAutorent\u00e4tigkeit und Herausgabe zahlreicher Editionen bei verschiedenen Verlagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Gespr\u00e4ch \u00bb&#8230;weil ich nicht m\u00f6chte, dass die Gitarre ausgeblendet wird\u00ab Michael Diedrich \u00fcber sein aktuelles Projekt \u201eKlassenmusik mit Gitarren\u201c Was den Streich- und Blasinstrumenten recht ist, soll nach Ansicht des Musikp\u00e4dagogen Michael Diedrich den Gitarren nur billig sein. 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